Jürgen und Norbert führten ein Interview zum Thema Bürgerarbeit
http://www.nojobfm.de/10/07/buergerarbeit_jk/jk.htm

In der Juli-Sendung am 25.7.2010 erfolgte die Ausstrahlung von Teilen eines Interviews mit Johannes Krause.
Es wurde am 26.07.2010 vormittags in voller Länge ausgestrahlt.
NoJob FM hat ein starkes Interesse an der Auswertung des Interviews, deshalb wird es über das Internet in Tabellenform noch einmal zur Verfügung gestellt.
Über das Internet hörbar sind die mp3’s und die m3u’s auf die mp3’s.
http://www.nojobfm.de/10/07/buergerarbeit_jk/j_k_.m3u ist der Link auf das vollständige Interview.
Die mp3’s sind in der Regel wesentlich kleiner als ein MB, dadurch sind sie selbst bei analogem Modem schon relativ schnell verfügbar zum Anhören.
Wer sich die MP3’s als ganzes herunterladen möchte,
hier ca. 30 MB (http://www.nojobfm.de/10/07/buergerarbeit_jk/Interview_Johannes_Krause_Buergerarbeit_96.mp3)
und ca. 100 MB (http://www.nojobfm.de/10/07/buergerarbeit_jk/Interview_Johannes_Krause_Buergerarbeit.MP3)

 

 

 

 

Nr.

m3u

 

 

01

alles
hören

Norbert:
160.000 Hilfebedürftige sollen bundesweit in einer 6-monatigen Aktivierungsphase in 34.000 Bürgerarbeitstellen vermittelt werden
in Sachsen-Anhalte sollen 18.000 aktiviert werden und 5.000 Bürgerarbeitsstellen geschaffen werden

 

02

 

In Halle sind 1.000 Stellen vorgesehen.

 

03

Frage 1

Wie beurteilt der DGB die Bürgerarbeitsprojekte?

 

04

 

J. K.:
DGB hat mit einer gewissen Skepsis darauf geschaut, einerseits kein generelles Verschließen gegen neue Wege andererseits keine Experimente auf dem Rücken der Betroffenen.

 

05

 

Aspekt: Was aus den Beitragsmitteln (arbeitgeber- und arbeitnehmerseitig) finanziert wurde, muss der Integration dienen.
Welche Integrationsmöglichkeiten wird geboten, da wird die Bürgerarbeit interessant.

 

06

 

In Bad Schmiedeberg sind etwas über 100 Leute in Beschäftigung gekommen sind über ein Assessmentverfahren in 4 Stufen. Das ist so gelaufen, so wie es über die Vermittlungsverfahren bei der Bundesagentur eigentlich laufen müsste, schauen in die Lebensbiografie und finden von Chancen und Möglichkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt.

 

07

 

hoher Grad von Mitwirkung beim Profilingverfahren

 

08

 

Profiling war sehr intensiv. Man hat 5 bis 7 pro ausgewählter Stelle aktiviert.
Man hat eine Vielzahl aktiviert, um die Bürgerarbeiter herauszufiltern. Viele die im Assessmentverfahren waren, hatten eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt und kamen gar nicht in Frage für die Bürgerarbeit.

 

09

 

Nach seinem Kenntnisstand sind nicht mehr viel übrig von den Bürgerarbeitern.
Insofern stellt sich die Frage, ob die Bürgerarbeit wirklich so erfolgreich ist.

 

10

 

Er ist seit 1992 in diversen Gremien.
 
Maßstab: Welche Integrationskraft hat ein Instrument.

 

11

 

Integrationskraft bedeutet, wie gelingt es mit diesem Instrument, dass jemand in den sog. 1. Arbeitsmarkt kommt.
Tatsächliche Integration ohne ergänzende Leistungen.

Würde und prekäre Beschäftigung

 

12

Frage 2

Jürgen:
Warum ist die normale Betreuung vorher nicht erfolgt?

 

13

 

J. K.:
Wird schon lange kritisiert, dass es vorher keine Möglichkeiten gegeben hatte und plötzlich über Modellversuche möglich wären.
Hartz IV auch positiv durch die Zusammenlegung von zwei getrennten Regelkreisen  

 

14

 

Finanzierung durch Beitrags- und Steuerzahler ist richtig,
in Ost und West bestand große Disparität bei Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe.

 

15

 

jetzt integrierbar durch Statuswechsel,
Förderung möglich

 

16

Frage 3

Jürgen:
Frage nach den Unterschieden zwischen dem neuen bundesweiten Modellprojekt und den kleineren Modellprojekten in Sachsen- Anhalt

 

17

 

J. K.:
Kommunen müssen keinen Eigenanteil mehr bringen
(Bem.: im Gegensatz z. B. zum Kommunalkombi)

 

18

 

Weniger Zusätzlichkeit und weniger im öffentlichen Interesse, dadurch mehr Mitnahmeeffekte

 

19

 

Über geförderte Beschäftigung wird wieder feste Beschäftigung ersetzt.
Es kann nicht sein, dass Arbeitsmarktpolitik nach kommunaler Kassenlage gemacht wird.

 

20

 

Halle mit vielen Millionen Schulden und auch Blick auf Merseburg
gegenüber dem Merseburger Bürgermeister kritisierte er, dass man den Kommunalhaushalt über die KdU und dass man den Personalhaushalt sanieren möchte durch die Optionierung,
“selbige Gefahr besteht bei der Bürgerarbeit auch“

 

21

 

Kriterium des Tariflohns spielt keine Rolle
kein privates Geld sondern unsere Steuergelder
kein einkömmliches Einkommen

 

22

 

Als Gewerkschaften können wir die Bürgerarbeit nicht verhindern „das wird stattfinden“,
Ich habe z. B. dem in Halle und im Mansfelder Land zugestimmt.
2 Kriterien:
- Gemeinnützigkeit und Zusätzlichkeit
- Kopplung mit qualifizierter Weiterbildung (tatsächlicher Integrationsansatz muss verfolgt werden)

 

23

Frage 4

Norbert:
Wie erklärt sich dass Interesse der ARGE’n in Sachsen- Anhalt,
Wer sind die kooperierenden Träger und
in welchen Bereichen sollen Bürgerarbeitsplätze geschaffen werden?

 

24

 

Interessenten in Halle sind die Agentur für Arbeit und mehrheitlich die Kommune inder GmbH- Struktur.
Die Kommune hat ein vitales Interesse gewisse Posten im Haushalt zu entlasten.
Wenn 100 aus dem Bezug fallen entspricht das einer Einsparung in Höhe von 200.000 €.
Bei 1.000 Bürgerarbeitern in Halle, kann man das hochrechnen.

 

25

 

Als Gewerkschafter sieht er das Ziel der Integration und nicht der Entlastung der Kommunen.
Bund soll nachbessern, damit keine Belastung der Betroffenen erfolgt.

 

26

Frage 5

Jürgen:
Frage zu den Trägern der Bürgerarbeit , Vereine, Bildungsträger und/ oder Stadt
Wer organisiert diese Plätze?

 

27

 

J. K.:
Vergleich mit den ABM’s drei Jahre Laufzeit ist attraktiv

 

28

 

- drei Jahre Laufzeit attraktiv für Vereine und Betroffene
- kein Eigenanteil

 

29

 

ver.di Bezirkserwerbslosenausschuss hat die Bürgerarbeit als Instrument zur Einführung von Zwangsarbeit durch die Hintertür beschrieben.
Die Einschätzung ist nicht abwegig, „wir werden schauen müssen , was da passiert, wir werden es nicht verhindern können, … und ich halte es … in Sachsen-Anhalt auch durchaus für ein Wahlkampfinstrument“ 

 

30

 

Einige werden integriert durch das Assessmentverfahren,
andere finden eine sinnvolle Tätigkeit (durch die Bürgerarbeit)  

 

31

 

im Januar/Februar haben die Leute Geld in der Tasche und im März wird gewählt, welch ein Zufall
wenn sich dies einer politischen Spekulation unterliegt, dann ergeben sich da Fragen

 

32

Frage 6

Jürgen:
Der DGB fordert die Einführung eines Beirates der die Arbeitsmarktneutralität prüfen soll.

 

33

 

J. K.:
Einbeziehung der Sozialpartner wurde von ihm formuliert wie auch der Integrationsansatz

 

34

 

auch der anderen Akteure sollen das Projekt mit begleiten und nach Abschluss nacharbeiten
“Bürgerarbeit ist kein Instrument für schnelle Antworten“

 

35

 

Ein positiver Grund, dass er nicht absolut ablehnend der Bürgerarbeit gegenüber steht, weil Arbeitslosigkeit jetzt im Osten nach 20 Jahren nach der Wende vererbt wird,
nicht in allen Familien läuft dies stabil ab

 

36

 

Für einen bestimmten Personenkreis kann das sinnvoll sein aber es muss geschaut werden (Entlohnung, Qualifizierung, Versuch eines integrativen Ansatzes) wie man es ausgestaltet

 

37

 

„Wir müssen schon gucken, wer hat hier was aus welchen Gründen vorgeschlagen, was soll da gemacht werden und wie können wir … was machen … , was es für uns einigermaßen akzeptabel wird“
Was ihm große Sorgen macht, dass das nicht nach der Kassenlage der Kommunen geschehen darf.

 

38

Frage 7

Jürgen:
Zentrale gewerkschaftliche Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit, wie sieht das aus?

 

39

 

J. K.:
„wir werden uns hoffentlich damit durchsetzen können, nur das Prinzip der Gewerkschaften ist kein Stellvertreterprinzip, zwar treten Gewerkschaften für das Individuum ein im Einzelnen und für die Gruppe, aber dies bedeutet nicht, das sie das selber nicht auch tun, das heißt wir tun das gemeinsam …“

 

40

 

„.. und die Gewerkschaften sind nun mal alle, die sich bekennen und auch dafür organisieren …

 

41

 

Das Erste ist einmal, dass man in einer Gewerkschaft ist und es auch in den Gremien zu thematisieren …
und man Schlussfolgerungen zieht und Forderungen stellt.

 

42

 

 Es ist Quatsch,   ein Vorsitzender oder Vorstand oder ein paar Hauptamtliche würden für die Erwerbslosen oder für eine andere Gruppe eine Veränderung herbeiführen, das geht nur gemeinsam und das geht nur, wenn wir eine gewisse Mächtigkeit und Stärke haben.

 

43

Frage 8

Norbert:
Was hältst Du von Betriebsversammlungen bei den Unternehmen mit Bürgerarbeitern?

 

44

 

J. K.:
Geld, Entgelt, Arbeitschutz, Gesundheitsschutz, Arbeitszeit, Art der Beschäftigung,
es wäre mit Gewerkschaften möglich, sich mit Fachleuten in den Gewerkschaften zu treffen, die sich in arbeitsmarktpolitischen Fragen … auskennen, sich Rat holen und Strukturen zu bilden

 

45

 

ver.di und die IGM haben diese Strukturen

 

46

 

Es ist in der Demokratie so, man muss für die eigenen Anliegen Mehrheiten suchen, sie  mehrheitsfähig machen und durchsetzen, da kommen wir nicht daran vorbei.

 

47

 

Gewerkschaften sind ein idealer Rahmen dafür, …
man kommt vom Inaktiven ins Aktive

 

48

Frage 9

Jürgen:
Wie wird der Austausch über Missstände gehandhabt?

 

49

 

J. K.:
Wir werden das Thema Bürgerarbeit auch offensiv begleiten, dies wollen wir gemeinsam machen, die in den Strukturen gewerkschaftlich … (und weil …) ich an Stellen sitze, wo ich das eine oder andere positiv beeinflussen kann

 

50

 

Ich bin dazu gekommen, dass ich gesehen habe, politische Strukturen wechseln, Machtverhältnisse wechseln.
Entscheidend ist, ob es uns als Gewerkschaften gelingt, auf diejenigen, die vom Volk gewählt worden sind, dass sie verstehen, was sie im Einzelnen z. T. beschließen.

 

51

 

Beispiel Verabschiedung der Hartz- Gesetze

 

52

 

Ähnlich bei der Bürgerarbeit, 
“es geht schon bei der Entgeltsituation los“

 

53

Frage 10

Norbert:
Johannes, fasst Du Deine Einwände gegen die Bürgerarbeit zusammen.
J.K.:
Die Bürgerarbeit birgt durchaus gewisse Gefahren, wir betrachten es mit einer gewissen Skepsis.
Kein zusätzliches Personal und keine zusätzlichen Mittel.
Bei einer Aktivierung 1 : 8 , werden 8.000 zusätzlich bewegt

 

54

 

Dafür braucht man Personal, er bezweifelt, dass Berufsabschlüsse weiter ausgebaut werden und die berufliche Fort- und Weiterbildung in einer angemessenen Weise ausfinanziert wird

 

55

 

Wichtig, dass Beiräte eingerichtet werden, dass die Sozialpartner die Maßnahmen über die gesamte Laufzeit begleiten und eine qualifizierte Nacharbeit passiert.

 

56

 

Wichtig ist, dass keine Sanktionierung möglich ist, die Bürgerarbeit muss auf der Basis der Freiwilligkeit laufen, da habe ich erhebliche Zweifel

 

57

 

Bürgerarbeit muss ordentlich ausfinanziert sein, … es reicht hinten und vorne nicht im Sinne von Auskömmlichkeit, als Gewerkschaften fordern wir steuer- und beitragsfinanzierte Modelle tarifvertraglich auszufinanzieren, d.h. Tariflöhne.

 

58

 

Er glaubt nicht, dass das in Sachsen- Anhalt vorgesehen ist bzw. auch nicht bezüglich des gesetzlich geforderten Mindestlohns in Höhe von 8,50 €.

 

59

 

Alle sollen sich bei ihm melden

 

60

Frage 11

Jürgen:
DGB und Maßnahmen gegen das Sparpaket

 

61

 

J. K.:
Wähler sind von den Koalitionsparteien belogen worden, Beispiel gesetzliche Krankenkasse

 

62

 

Hoteliers werden beschenkt, Banker lehnen sich zurück und beginnen zu wetten, die Heuschrecken spekulieren mit Nationalstaaten und alles bezahlen die Beitragszahler und am Ende stehen die Betroffenen

 

63

 

Wenn jemand arm ist muss er doppelt zahlen,
man muss es sich leisten können, arm zu sein.

 

64

 

Diejenigen, die genug Geld haben, verstehen das nicht,
Abwälzen heißt auch, sich nicht darüber zu informieren, wie es anderen geht, sie müssen mit ihren Problemen klarkommen und bezahlen alles doppelt und dreifach, weil sie es nicht gleich haben.

 

65

Frage 12

Jürgen:
Gerecht geht anders, was soll passieren im Herbst?

 

66

 

Alle sind ruhig und … die Bevölkerung bezahlt alles klaglos, … es gibt kein Aufschrei

 

67

 

Wir glauben aber, dass der gesetzliche Mindestlohn, die Rente mit 67, … das ist noch nicht zu Ende verhandelt,
Kopfpauschale durch die Neuordnung der gesetzlichen Rentenversicherung

 

68

 

Sanktionierung für Erwerbslose, …
die Verzögerungstaktik wird nicht reichen, die Bevölkerung stille zu halten.
Gewerkschaften sind nicht auf den Tag fixiert, wir gucken uns Entwicklungen an, … wir haben Durchhaltevermögen Organisationskraft und sagen na gut … , dann werden wir mal zeigen müssen, dass wir noch da sind

 

69

 

Wir brauchen einen langanhaltenden dezentralen Protest …
Aufklärung in den Betrieben
“wir werden die soziale Bündnisse aktivieren dezentral, lokal und regional“ Aktionen vorbereiten  

 

 

http://spd-sachsen-anhalt.de/index.php?option=com_content&view=article&id=170:wahlkampfauftakt-mit-franz-muentefering&catid=8:pm-weitere-themen&Itemid=4

http://www.spd.de/de/politik/archiv/Bundestagswahl/bundestagskandidaten/sachsen_anhalt/wk_73.html

http://www.arge-halle.de/inhalt/index.php?nid=8